Organische Gemeinde

Neil Cole, “Organische Gemeinde”, Wenn sich das Reich Gottes ganz natürlich ausbreitet

Quelle und zu bestellen unter: http://www.gloryworld.de/

Wie wäre es, wenn Gemeinden auf organische Weise entstünden, wie kleine geistliche Familien,aus dem Boden der Verlorenheit geboren, weil hier der Same Gottes ausgesät wurde? Diese Gemeinden könnten sich reproduzieren, wie es alle lebendigen und organischen Dinge tun.

Genau dies erlebte Neil Cole, nachdem er angefangen hatte umzusetzen, was Jesus selbst zum Thema Gemeinde gelehrt hat. Innerhalb von sechs Jahren entstanden 800 Gemeinden in 32 Ländern. Diese Gemeinden treffen sich in Privathäusern, Restaurants, Cafés, Büros oder Parks, an Hochschulen, Schulen oder Stränden.

In diesem Buch fasst er seine Erkenntnisse zusammen:

· Welche Sicht hatte Jesus selbst von der Gemeinde

· Die organische Natur des Reiches Gottes

· Der genetische Aufbau des Leibes Christi

· Jesu Strategie, sein Reich auszubreiten

· Unsere hohe Berufung, an Gottes Plan mitzuwirken

Dieses Buch ist ein Aufruf, zu unseren Wurzeln zurückzukehren. Die Gemeinde soll lebendig, organisch und mitten im Leben sein. Sie soll dort hervorkommen, wo sie am meisten gebraucht wird. Sie soll fruchtbar sein, sich vermehren und die Erde füllen, wie es Jesus beabsichtigt hat, als er dafür bezahlte.

Über den Autor

Neil Cole liegt daran, dass der Missionsbefehl in unserer Zeit wirklich umgesetzt wird. Neben seinem Engagement in der oben beschriebenen Bewegung ist er Gründer und Leiter von „Church Multiplication Associates“ (CMA), ein Dienst, der dazu beitragen möchte, dass Jünger, Leiter, Gemeinden und Bewegungen multipliziert werden. Bekannt wurde er durch die „Life Transformation Groups“, kleine Gruppen von zwei oder drei Menschen, die sich gegenseitig helfen, in ihrem geistlichen Leben zu wachsen. Er lebt mit seiner Familie in den USA.

Mehr über Neil Cole auf CMA Resources

Stimmen zum Buch
Neil Cole ist einer der führenden Köpfe und Praktiker organischer
Gemeindeformen. Seine Vision von der Gemeinde ist so
neu wie sie uralt ist. Seine eigene Geschichte und die Philosophie
von CMA ist für die Gemeinde auf ihrem Weg ins 21. Jahrhundert
beispielhaft.
Alan Hirsch, Autor und Gemeindegründer

Dieses Buch ist tief gehend und praktisch und trotzdem angenehm
zu lesen. Es erweitert unser Denken und versetzt uns in
die Lage zu erleben, dass sich das Reich Gottes in unserer Generation
über die ganze Welt ausbreitet. Es kommt genau zur
rechten Zeit.
John C. Maxwell, Autor und Gründer von INJOY

Mein Leben dreht sich darum, hundertfache Frucht zu sehen.
Der Ansatz von Neil Cole hilft, solche Ergebnisse in Bezug auf
Gemeinden zu erhalten, indem er viele neue Formen des Reiches
Gottes gründet, die Tausende von Menschen erreichen.
Das dramatische Wachstum der „Awakening Chapels“ und die
organischen Gemeinden, die in diesem Buch beschrieben werden,
zu beobachten, war für mich in den letzten Jahren eine
der größten Freuden. Das neue Buch von Neil Cole erzählt nicht
nur die inspirierende Geschichte, sondern beschreibt die Prinzipien
dahinter, damit wir sie anwenden können.
Bob Buford, Autor und Leiter von „Leadership Network“

In einer Zeit, in der viele sagen: „Gott ja; Kirche nein!“, spüren
die meisten von uns instinktiv, dass die Kirche, wie wir sie kennen,
verhindert, dass es zur Kirche, wie Gott sie will, kommt.
Aber wo ist der Haken? Wohin gehen wir von hier aus? Gekonnt
legt uns Neil Cole eine begeisternde Einladung zur wohl
aufregendsten geistlichen Pilgerreise vor, die heutzutage stattfindet:
die globale Reise einer Kirche zurück nach Hause. Machen
Sie mit und werden Sie Teil davon!
Wolfgang Simson, Autor von „Häuser, die die Welt verändern“

Gemeindemultiplikation ist wohl nicht das Fachgebiet der Elfenbeinturm-
Theoretiker! Neil Cole hilft uns, zu verstehen, dass
es dabei nicht um einen Zuschauersport geht. Dies ist das praktischste,
hilfreichste und umfassendste derzeit erhältliche Buch,
wenn wir die sich schnell ausbreitenden Formen des einfachen,
organischen Gemeindelebens auf der ganzen Welt verstehen
wollen.
Dr. Tony Dale, House2House

Dieses Buch empfehle ich von ganzem Herzen. Es ist voller tiefer
Erkenntnisse; Sie werden nichts Schwammiges darin finden.
Unter den Büchern über Gemeindegründung bietet es eine rare
Kombination von Eigenschaften: es ist biblisch und gut geschrieben,
das beschriebene Modell hat sich als effektiv erwiesen,
und es ist von einem Praktiker geschrieben und nicht von
einem Beobachter oder Elfenbeinturm-Theoretiker.
Curtis Sergeant, Leiter der Gemeindegründung
der Saddleback Church, Lake Forest, Kalifornien

Mir großer Freude empfehle ich dieses Buch. Die Geschichten
und Erfahrungen in diesem Buch werden viele ermutigen, der
Führung des Heiligen Geistes zu folgen. Neil Cole ist ein echter
Pionier des Glaubens und ein Mann mit einer großen Vision, der
sich entschieden hat, die Dinge, die Gott in ihn hineingelegt
hat, in die Praxis umzusetzen. Ich glaube, dass dieses Buch Herzen
entzünden wird, ihren Glauben in organischen Gemeinden
überall auf der Welt auszuleben.
Michael Steele, Leiter Nordamerika, DAWN Ministries

Neil Cole ist ein echter Wegbereiter für die heutige Kirche. Seine
Geschichte wird Sie inspirieren und Sie dafür zurüsten, den
lebendigen Christus in Gemeinschaft zu erfahren.
Jonathan S. Campbell, Ph. D., Autor von „The Way of Jesus“

Inhalt
Vorwort …………………………………………………………………………..9
Vorbemerkung……………………………………………………………….13
Einführung…………………………………………………………………….17
TEIL 1: WURZELN DER ORGANISCHEN GEMEINDE
1 Reite mit mir hinaus!………………………………………………….29
2 Für eine neue Art von Gemeinde erwachen………………….45
3 Die Zombie-Braut lebt! ………………………………………………61
4 Eine gefährliche Frage ……………………………………………….79
TEIL 2: DIE ORGANISCHE NATUR DES REICHES GOTTES
5 Grundlagen des Reiches Gottes:
Man erntet, was man sät, und man isst, was man erntet..95
6 Ein verzaubertes Königreich mit Zaubersamen,
schnellwachsenden Bäumen und einer wunderschönen
Braut, die gerettet werden muss ………………………………. 121
7 Wir alle haben als Zygote begonnen…………………………. 131
TEIL 3: VOM MIKROSKOP ZUM TELESKOP
8 Die DNA des Leibes Christi entschlüsseln……………………. 151
9 Epidemisches Wachstum beginnt in den Genen…………. 167

TEIL 4: DAS EPIDEMISCHE REICH UND WIE ES SICH AUSBREITET
10 Es braucht Mut, sich um Menschen zu kümmern………… 191
11 Osama und ich sind uns nahe…………………………………… 211
12 Wie sich die Epidemie ausbreitet………………………………. 225
TEIL 5: DER RUF ZUR ORGANISCHEN GEMEINDE
13 Stilvoll fallen! …………………………………………………………. 253
14 Bemerkenswerte Geschichten…………………………………… 269
ANHANG
Dank…………………………………………………………………………… 283
Über den Autor ……………………………………………………………. 285

Vorwort
Vor einiger Zeit führte ich in einem schottischen Dorf in der
Nähe von Edinburgh ein Tagesseminar für junge Leiter der
Church of Scotland durch. Jerry Middleton, mein Gastgeber und
Pastor der Gemeinde vor Ort, unterstützte mich dabei. Eines der
Geschenke, die er mir machte, war, dass er mir von einem Erlebnis
berichtete, das er einige Monate zuvor gehabt hatte.
Als er eines Tages in seiner Amtstracht durch den Ort ging,
riefen ihm zwei Kinder über die Straße zu: „He, Herr Pastor,
könnten Sie mal kurz aufhören, Pastor zu sein, um uns zu helfen?“
Etwas sprachlos, aber bereit, die Herausforderung anzunehmen,
ging Jerry über die Straße. Dort sah er, dass die Kette
eines der Fahrräder der Jungen gerissen war. Ohne zu zögern
kniete er sich auf den Bürgersteig hin und fing an, das Fahrrad
auseinanderzubauen, um die Kette zu reparieren. Die beiden
konnten es nicht glauben, dass dieser Pastor sich tatsächlich
hinkniete, um ihnen zu helfen. Und sie waren noch mehr überrascht,
als sie merkten, dass er sogar fähig war, ihr Problem zu
lösen.
Nachdem er fertig war, entschuldigten sie sich dafür, dass
seine Hände nun so dreckig waren. Jerry tat es ab. „Kein Problem,
Freunde. Wollt ihr wissen, wie man diesen Dreck wieder
wegbekommt?“ „Keine Chance“, sagte der eine von ihnen, „das
kriegt man nicht so leicht wieder ab.“
„Ich zeig euch, wie’s geht“, fuhr Jerry fort. Er kniete sich
noch einmal auf den Boden, aber dieses Mal nahm er einfach
etwas lose Erde und „wusch“ seine Hände, indem er sie mit der
Erde rieb. Dann fragte er sie: „Wisst ihr, wo ich etwas Wasser
finden kann?“ Die Jungen antworteten: „Wir wohnen hier
gleich um die Ecke. Kommen Sie mit!“
So marschierten die drei, sehr zur Überraschung ihrer Mutter,
direkt in die Küche ihres Hauses. Die Kinder baten sie, zur Seite
zu rücken, damit sie das Spülbecken benutzen könnten. Mit
offenem Mund starrte sie auf den Pastor, den ihre Kinder mitgebracht
hatten. „Vielen Dank, dass ich hier meine Hände waschen
kann“, sagte Jerry, während die Jungen beobachteten,
wie seine Hände unter dem Wasser wieder sauber wurden. Die
Mutter bat ihn dann, noch auf einen Tee zu bleiben. Für Jerry
war dies „einer seiner verrücktesten pastoralen Besuche“, aber
er bezeugte auch, dass er durch diesen einen Vorfall eine Menge
lernte, wie der Dienst in einer postmodernen Kultur praktisch
aussehen kann. Erst als ich die geniale Einleitung von Neil Cole zu dem vorliegenden
Buch las, fing ich an zu verstehen, wie grundlegend
Jerrys Geschichte ist. Wir leben in einer nachchristlichen Kultur,
die denkt, dass die Kirche nichts zu bieten hat, außer wenn sie
einmal aufhört, das zu tun, was sie immer tut: „He, Pastor,
könnten Sie mal kurz aufhören, Pastor zu sein, um uns zu helfen?“
Heutzutage kommen die Leute nicht mehr auf die christliche
Seite der Straße. Wir müssen die Straße überqueren, wenn
wir den Menschen dienen wollen. Und am besten können wir
dienen, wenn wir es nicht groß planen, sondern wenn es natürlich,
organisch geschieht, oft, wenn wir gerade etwas ganz anderes
tun. Es gefällt mir, wie Neil Cole es ausdrückt: „Wenn du diese
Welt für Jesus gewinnen willst, dann musst du im Raucherbereich
sitzen.“ Wenn die Kirche nicht bereit ist, ihre Hände (oder
Lungen) schmutzig zu machen, dann findet sie kein Gehör. Die
Häuser und Herzen der Menschen sind offen für das Evangelium,
aber es braucht Beziehungen, damit sie es verstehen. Kirche
funktioniert am besten mit zweien oder dreien – nicht mit
zwei- oder dreihundert oder zwei- oder dreitausend. „Wo sich
zwei oder drei versammeln, da bin ich mitten unter ihnen.“
In Organische Gemeinde geht es weniger um das, was wir
tun sollen, sondern es ist ein Buch über das, was Gott schon
getan hat und heute tut. Ich glaube, es ist nicht möglich, dass
Sie es wieder weglegen, ohne dass das Bild, wie Gott die Kirche
gemeint hat, zu einem Hologramm in Ihrem Herzen geworden
ist. Lesen Sie es, und ernten Sie Samen, der gleich wieder ausgesät
werden kann. Lesen Sie es, und weinen Sie eine Tränenernte
über das, was sein könnte, wenn wir, wie Neil Cole es so unvergesslich
ausdrückt, „die Latte, wie wir Kirche praktizieren, tiefer
legen, und die Latte, was es bedeutet, ein Jünger zu sein, höher
legen.“ Die eigentliche Sünde ist nicht, was in der Vergangenheit
geschehen ist, sondern das, was in der Gegenwart nicht
geschieht.
Dr. Leonard I. Sweet
E. Stanley Jones Stuhl in Evangelisation
an der Drew University

Dieses Werk widme ich Menschen
aus zwei Generationen in meinem Leben:
Erstens: dem Gedenken an Ray Walker,
der mir gezeigt hat, was es bedeutet,
ein Mensch zu sein, der Jesus und andere liebt.
Zweitens: Heather, Erin, Zachary
und der nächsten Generation
von „Reich-Gottes-Agenten“,
die die Gemeinde dahin bringen werden,
wo wir es im Traum nicht für möglich gehalten hätten.

Vorbemerkung

An diesem Abend regnet es sehr stark. Neo wird von einer eigenartigen
Gruppe von Menschen begleitet. Sie sehen teils streberhaft,
teils cool aus, aber alle benehmen sich, als seien sie
schlauer als der Rest der Welt.
Mit vorgehaltener Waffe wird Neo zu einem alten, verlassenen
Haus geführt, wo er angeblich den berüchtigten Morpheus
treffen soll. Hier wird ihm dann ein dunkler Fremder mit reflektierender
Sonnenbrille und schwarzem Trenchcoat einige Pillen
anbieten – und er wird bereitwillig eine der Pillen schlucken!
Was war wohl der Auslöser, dies zu tun? Neo wird von einem
Wunsch getrieben, dem er nicht länger widerstehen kann. Eine
unersättliche Neugier und eine heilige Unzufriedenheit mit der
Norm treiben ihn dazu, allen Zwang abzulegen. Er ist motiviert,
außergewöhnliche Risiken auf sich zu nehmen, weil er nicht
länger im dumpfen Einerlei eines gewöhnlichen Lebens verharren
kann – einer Welt, in der alles seinen gewohnten Gang geht.
Die Begrüßung verläuft freundlich. Dann folgt ein höchst interessanter Dialog.
Morpheus beginnt, indem er Neos schwierige Situation mit
der von Alice im Wunderland vergleicht, als diese in ein Kaninchenloch
fällt. Er bemerkt, Neo biete den Anblick eines Mannes,
der nur das akzeptiert, was er sieht, weil er sich in einem Traum
befinde, kurz vor dem Aufwachen. Ironischerweise kommt das
der Wahrheit sehr nahe. Morpheus erzählt Neo, warum sie ihn
hierher gebracht haben: Es sei seine Chance zu erfahren, was
die Matrix ist. Morpheus fragt ihn, ob er das möchte.
Neo nickt bedächtig, aber ohne zu zögern, als würde er erkennen,

dass es sich hier um einen Wendepunkt in seinem Leben

handelt, durch den sich alles für immer verändern würde.
Morpheus erklärt: „Die Matrix ist überall. Sie ist um uns herum,
sogar jetzt in diesem Raum. Du kannst sie sehen, wenn du aus
deinem Fenster blickst oder wenn du deinen Fernseher einschaltest.
Du kannst sie fühlen, wenn du zur Arbeit oder zur Kirche
gehst und wenn du deine Steuern zahlst. Es ist die Welt, die
man über deine Augen gestülpt hat, um dich für die Wahrheit
blind zu machen.“
Neo fragt, um welche Wahrheit es gehe.
„Dass du ein Sklave bist, Neo. Wie jeder andere auch, bist du
in die Sklaverei hineingeboren, in ein Gefängnis, das du nicht
riechen, nicht anfassen und nicht fühlen kannst. Ein Gefängnis
für deinen Geist.“
Morpheus öffnet eine kleine silberne Box, nimmt zwei Pillen
heraus und erklärt Neo, dass eine bloße Beschreibung nicht
ausreiche. Er müsse es selbst sehen, um zu verstehen. Dann
beugt sich Morpheus nach vorne, in jeder Hand eine Pille.
„Das ist deine letzte Chance. Danach gibt es kein Zurück
mehr. Wenn du die blaue Pille nimmst, hört die Geschichte auf;
du wachst in deinem Bett auf und glaubst, was immer du willst.
Wenn du die rote Pille nimmst, bleibst du im Wunderland, und
ich zeige dir, wie tief das Kaninchenloch reicht.“
Neo greift langsam, aber entschlossen, nach der roten Pille.
Morpheus sagt ihm plötzlich, er biete ihm nur die Wahrheit
an, nicht mehr und nicht weniger. Neo schluckt die rote Pille
und das Abenteuer beginnt.
Er wacht auf und findet heraus, dass er sich vorher in einer
künstlichen Welt befunden hatte, die „Matrix“ genannt wird.
Alles, was er als Wahrheit gekannt hatte, war in Wirklichkeit
eine Maske, die die Wahrheit verhüllte und ihn und alle anderen
in einer Lüge gefangen halten sollte.
So weit die Handlung aus dem Kinofilm „The Matrix“ von
den Wachowski-Brüdern. Darin kommt etwas zum Ausdruck,
was ebenfalls wahr ist: Es gibt so etwas wie eine rote Pille, die
unsere Augen für eine weitaus lebendigere Realität des Reiches
Gottes öffnet. Es ist die Wahrheit des Wortes Gottes, die wir
brauchen, um frei zu werden und um die Kraft seines Reiches
auf diesem Planeten freisetzen zu können. Die Bibel enthielt
Vorbemerkung schon immer die Wahrheit, aber unser Denken ist durch eine
verzerrte Wahrnehmung der geistlichen Realität geblendet.
Dieses Buch möchte uns die Augen dafür öffnen, dass wir die
Kirche, das Reich Gottes und unsere Rolle in beiden Bereichen
klarer und realer erkennen.
Viele Menschen suchen nach mehr. Mit der Gemeinde, wie
wir sie heute kennen, sind sie nicht mehr zufrieden. Sie befassen
sich mit der Gemeinde, die im Neuen Testament beschrieben
wird, und ihre Neugier erwacht. Was sie dort lesen, ist jedoch
weit entfernt von dem, was sie jede Woche erleben. Sie
hören auch davon, wie schnell sich die Gemeinde in China und
Indien derzeit ausbreitet, und das ermutigt
sie. Werden auch sie wagen, von mehr zu
träumen? „Kann ich dieselbe Kraft erleben?“,
fragen sie sich. „Kann Gott auch hier,
an diesem Platz, wirken? Wird sich das Reich
Gottes auch in einer Gesellschaft wie der
amerikanischen, die davon noch gar nichts
ahnt, rasant ausbreiten?“ Ja! Ja!
„Dein Reich komme, Dein Wille geschehe,
auf Erden wie im Himmel“ (Mt.6,10).
Bevor Neo im Film die rote Pille schluckte,
wurde ihm noch eine andere Möglichkeit
offen gelassen.
„Stoppt das Auto!“, befiehlt ein Mitglied
der eigenartigen Sekte, die ihn entführt hat,
um Morpheus zu begegnen. Mit einer Pistole
in der Hand dreht die Frau sich nach Neo
um und verlangt, dass er sich entweder vollkommen
ihrem Plan unterwirft oder aussteigt und weggeht. Er
reagiert trotzig. Als er die Autotür öffnet und aussteigen will,
hält Trinity, eine hübsche und talentierte Hackerin, ihn auf und
sagt ihm, er solle ihr vertrauen. Er fragt sie, weshalb er jemandem
trauen solle, den er gerade erst kennengelernt hat.
Sie blickt die dunkle Straße hinunter, während es unaufhörlich
regnet, und antwortet: „Weil du bereits dort warst, Neo.
Du kennst diese Straße. Du weißt genau, wo sie endet. Und ich
weiß, dass du da nicht sein möchtest.“
Neo steigt langsam wieder ins Auto und hat sich unbewusst
damit abgefunden, einer roten Pille zu begegnen.
Sieht man sich die herkömmliche Gemeinde in den USA und
das, was sie zu bieten hat, an, ist es, als würde man eine alte,
durchnässte Straße hinunterstarren. Man hat keine Lust, da
weiterzugehen. Noch mehr Visionsbeschreibungen, christliche
Konzerte, Predigten oder Entwürfe für größere Gemeindegebäude
reichen einfach nicht aus.
Es wird Sie überraschen, was Menschen für Jesus tun, was sie
aber nicht für eine Gemeindevision tun. Es gibt etwas Besseres.
Muss es geben. Jesus ist nicht dafür gestorben und auferstanden,
damit wir bessere Gemeindebriefe oder bequemere Kirchenbänke
haben.
Morpheus, der fiktive Prophet aus „Die Matrix“, würde es
wohl so formulieren: „Ich sage Ihnen, warum Sie hier sind. Sie
sind hier, weil Sie etwas wissen. Was Sie wissen, können Sie
nicht erklären, aber Sie können es fühlen. Sie haben es schon Ihr
ganzes Leben lang gefühlt: Mit der Kirche stimmt etwas nicht.
Sie wissen nicht, was es ist, aber wie ein Splitter in Ihrem Gehirn
bringt es Sie zum Wahnsinn. Dieses Gefühl hat Sie zu diesem
Buch gebracht. Sie wissen, wovon ich rede.“
Wenn Sie das Buch gelesen haben, möchten Sie womöglich
nicht zurück. Durch die Gedanken, die hier vorgestellt werden,
wurden andere schon für die normale Kirche ruiniert. Das ist die
letzte Warnung!
Überall auf der Welt nehmen Menschen die rote Pille und
kehren nicht zurück. Die Kirche, wie Sie sie kennen, wird sich
ändern. Jetzt ist der Moment gekommen, in der Sie sich entscheiden
müssen. Dies ist Ihre rote Pille.
Das Kaninchenloch wartet. Das Abenteuer soll beginnen.

Einführung

Man hat das Christentum hinter Kirchenmauern begraben
und mit den Fesseln des Dogmatismus festgezurrt.
Lasst es wieder los, damit es in unsere Mitte kommt und uns
Freiheit, Gleichheit und Liebe lehrt.
Minna Canth
Schon seit vielen Jahren gehe ich immer seltener in die Kirche,
weil ich dort so wenig von dem finde, nach dem ich mich
sehne. Die Gegenwart Gottes zu spüren – danach verlangt es
mich.
Frederick Buechner
„Houston, wir haben ein Problem.“
Dieses historische Understatement gab am 14. April 1970
Kommandant James A. Lovell von sich, als er an Bord der Apollo
13 Hunderte Meilen von der Erde entfernt ziellos in einer kleinen
Metallkapsel im All umhertrieb. Etwas war völlig schiefgelaufen.
Der Sauerstoff und die Triebkraft reichten nicht mehr
aus, um sicher nach Hause gelangen zu können, sodass die Crew
der Apollo 13 und das Expertenteam der NASA in Houston vor
einer großen Herausforderung standen. Ron Howard dokumentierte
diese kritische Episode in dramatischer Weise in dem Film
„Apollo 13“, deren Ausgang entweder in einer schrecklichen
Tragödie enden oder zu einem großen Erfolg für die NASA führen
konnte. Dieser Hilferuf aus dem All führte dazu, dass kreative
Lösungen für ein komplexes Problem gesucht wurden.
Die Gemeinde kann heute etwas Ähnliches sagen: „Himmel,
wir haben ein Problem.“
Die Worte in diesem Buch sind wahrscheinlich nicht unbedingt
das, was Sie hören wollen, so wie auch Houston den Hilferuf
nicht hören wollte. Aber wenn wir nicht bereit sind, uns
unseren Problemen zu stellen, werden wir unseren Weg nie
korrigieren können. Aus Liebe zu Jesus und seiner Kirche, seiner
Braut, habe ich dieses Buch geschrieben.
Meinungsforscher berichten, eine große Anzahl von Nichtchristen
habe zwar Interesse an Jesus, jedoch nicht daran, in die
Kirche zu gehen. Es gibt einen Autoaufkleber, auf dem steht:
„Ich liebe Jesus; es sind die Christen, die ich nicht ausstehen
kann.“
Bevor Mel Gibsons „Die Passion Christi“ in den Kinos erschien,
konnte ich diesen Film in einem speziellen Treffen gemeinsam
mit mehreren Tausend Pastoren ansehen. Die gängige
Meinung bei diesem Treffen war, dass dieser Film zu einem
großen Erfolg werden und viele Menschen zurück in die Kirchen
bringen würde. Es gab für diesen Zweck schon Predigten für
Suchende, die aus dem Internet heruntergeladen werden konnten.
Buntes Werbematerial wurde gedruckt, um die Massen in
unsere Gottesdienste zu locken. Ganze Kinos wurden gemietet,
um den Film in eigenen Veranstaltungen zu zeigen, weil man
meinte, die Menschen, die man eingeladen hatte, würden Christen
und dann auch selbstverständlich Kirchgänger werden.
Zur großen Überraschung aller wurden sogar mehr Tickets als
erwartet verkauft, und weltweit spielte der Film über 600 Millionen
Dollar ein. Aber vielleicht noch überraschender ist, dass
sich dies nicht positiv auf die Zahl der Gemeindemitglieder ausgewirkt
hat.
Das zeigt uns, dass viele Menschen die Botschaft von Jesus
zwar hören wollen und auch daran glauben, aber mit der Kirche
als Institution, wie wir sie derzeit haben, nichts zu tun haben
wollen. Das sollte für uns alle eine klare Warnung sein. Wir
haben ein Problem.
Offensichtlich sind die Leute an Jesus interessiert, aber mit
seiner Frau (die Kirche ist die Braut Christi) wollen sie keine Zeit
verbringen. Leider haben wir die Botschaft des Evangeliums so
verkürzt, dass sie untrennbar mit der Institution Kirche verbunden
ist. Selbst wenn sie nur etwas über Jesus hören wollen,
sagen wir den Leuten, sie müssten die bittere Pille „Kirche“
schlucken. Die meisten sterben jedoch lieber an der Krankheit,
als diese „Medizin“ zu schlucken.
Die Ortsgemeinde ist inzwischen so unattraktiv geworden,
dass sie viele, selbst unter den überzeugten Christen, gänzlich
ablehnen. In seinem Buch „The Present Future: Six Questions for
the Church“ (Die gegenwärtige Zukunft: Sechs Fragen an die
Kirche) macht Reggie McNeal die alarmierende Beobachtung:
„Eine wachsende Zahl von Menschen verlässt die institutionelle
Kirche aus einem neuen Grund. Sie gehen nicht, weil sie ihren
Glauben verloren haben, sondern um ihren Glauben zu bewahren.“
1 Das sind harte Worte. Könnte es sein, dass die „verkirchlichte
Kultur“ geistlich gesehen toxisch ist? Wir haben ein Problem.
Die Zahl der Gottesdienstbesucher ist allerdings kein Barometer
dafür, wie es um die Christenheit steht. Letztendlich sollte
das Evangelium doch eine Transformation bzw. Veränderung
bewirken. Es reicht nicht aus, unsere Kirchen zu füllen; wir müssen
unsere Welt verändern. Wenn die Kirche wirklich effektiv
ist, sollte sich die Gesellschaft und Kultur verändern. Geht die
Kirche auf die Menschen zu und werden diese durch die gute
Nachricht des Reiches Gottes verändert? Wo dies geschieht,
wird die Anzahl der Christen sicherlich steigen. Das Reich Gottes
dreht sich aber nicht darum, dass wir einmal in der Woche den
Gottesdienstraum füllen. Wir tun Jesus unrecht, wenn wir sein
Leben und sein Wirken auf so traurige Statistiken wie Besucheroder
Mitgliederzahlen reduzieren.
Inwieweit die Kirche einen Einfluss hat, sieht man in der Gesellschaft
– auf den Straßen, nicht in den Kirchenbänken.
Die USA stehen nicht alleine da, was diesen Niedergang der
Gemeinde angeht. Überall auf der Welt, wo die Kirche dem
westlichen, institutionellen Muster folgt, nimmt ihr Einfluss ab.
Unlängst war ich in Japan und sprach in einer Kirche vor
hauptsächlich jungen Japanern. Meine Frau und ich waren die
einzigen Weißen in dem Gebäude, vielleicht sogar in der gesamten
Stadt. Ich erwähnte, dass in Japan weniger als ein Pro-
zent der Bevölkerung Kirchenmitglieder sind. Seufzend nickten
sie alle und zeigten damit, dass sie angesichts dieser Realität
müde geworden waren. Ich sagte dann, dass ich vor einigen
Monaten schon einmal bei ihnen gewesen war und dass damals
die Prozentzahl ebenso niedrig war. Nichts hatte sich geändert.
„Was ist los mit euch?“, fragte ich. Sie lachten, als wäre die
Erwartung, dass sich etwas ändern könnte, lächerlich.
Ich fuhr fort und erzählte ihnen, ich sei auch schon vor drei
Jahren in Japan gewesen, und auch damals seien weniger als
ein Prozent Kirchenmitglieder gewesen. Dieses Mal lachten sie
nicht. Dann sagte ich ihnen, dies sei auch schon zehn Jahre vorher
so gewesen und fragte sie: „Wisst ihr, wie hoch der Anteil
der Christen vor hundert Jahren war?“ Sie waren den Tränen
nahe, als ich meine eigene Frage beantwortete: „Ebenfalls weniger
als ein Prozent!“ Nach einer Pause sagte ich: „Da stimmt
etwas nicht, wie wir hier in Japan Kirche praktizieren.“ (An
dieser Stelle sei bemerkt, dass wir aus dem Westen es waren,
die ihnen beigebracht haben, wie die Kirche funktioniert.
Damit Japan verändert wird, muss Jesus den Leuten etwas
Neues und Wirkungsvolles geben. Dasselbe gilt für uns im Westen.
Nicht die Ortsgemeinde wird die Welt verändern, sondern
Jesus. Der Gottesdienstbesuch am Sonntag verändert das Leben
der Menschen nicht. Nur Jesus in ihren Herzen ist der, der diese
Veränderung hervorrufen kann.
Die westliche Kirche hat so viel von dem aufgegeben, was sie
sein soll, dass sie für die Verlorenen bedeutungslos geworden
ist. Christliche Organisationen, wie Bibelschulen, Missionsgesellschaften,
seelsorgerliche Beratungsstellen und Evangelisationswerke
sind entstanden und haben inzwischen einen Großteil
der Arbeit übernommen, für die Gott eigentlich die Gemeinde
berufen hatte. Die Kirche erwartet, dass andere evangelisieren,
Führungskräfte heranbilden und soziale Dienste tun. Menschen
mit ernsten Problemen schicken wir zu den Psychologen.
Wenn man Nichtchristen fragt, wozu die Ortsgemeinde wichtig
ist, dann fallen ihnen meist nur zwei Dinge ein: Man heiratet
dort und man wird dort beerdigt. Viele von ihnen versuchen mit
aller Macht, beides zu vermeiden. Ist es das, wofür Jesus gelitten
hat und gestorben ist? Ist dies das Beste, was wir mit der
Kraft der Auferstehung anfangen können? Wir haben ein Problem!
Unternimmt die Ortsgemeinde dann schon einmal den Versuch
einer Evangelisation, ist es meist nicht mehr als ein
„Kommt doch alle mal vorbei“. Im Prinzip schmeißt die Kirche
eine Art Party und erwartet, dass die Menschen zu ihr kommen.
Unter der Devise „Wie können wir die Leute außerhalb der
Kirche erreichen?“ verbringen wir viel Zeit damit, neue Wege
zu finden, wie wir die heilige Stunde am Sonntag so relevant
für Suchende machen können, dass sie auch kommen wollen. Es
gibt unzählige Bücher, Seminare, CDs, Zeitschriften und Internetseiten
zu dem Thema, wie wir die Gottesdienste so interessant
machen können, dass die Verlorenen ebenfalls unseren
Jesus wollen. Glauben wir wirklich, dass wir sie damit so beeindrucken
können, dass sie in die Kirche eintreten wollen? Ist das
Ziel, dass sie in die Kirche kommen, hinreichend?
Wie weit gehen wir, um Menschen in unsere „Gottesdienst-
Show“ zu bekommen? Wie viele Kompromisse gehen wir ein,
um die Besucherzahlen zu erhöhen? Der extremste Fall, von
dem ich gehört habe, hat sich im Nordwesten der USA zugetragen.
Dort warb eine Kirche damit, es mit Geld zu belohnen,
wenn jemand mindestens einen Monat lang jeden Sonntag in
den Gottesdienst käme. Sie bezahlten die Leute dafür, dass sie
in ihren Gottesdienst kamen! Dieses Beispiel ist nicht gerade
einfallsreich, aber fällt uns tatsächlich nichts Besseres ein, als
Besucher mit unserer professionellen Musik, unseren Predigten
und Vorführungen zu „kaufen“? Ich denke, wir haben mit der
ganzen „Sucherfreundlichkeit“ den Bogen überspannt. Wir
haben ein Problem!
Warum müssen Menschen sonntags früh aufstehen, sich fein
anziehen, um zu einem Ort zu fahren, wo sie sich in Reihen
hinsetzen und den restlichen Morgen auf den Hinterkopf ihres
Vordermannes gucken müssen, während jemand, den sie nicht
kennen, ihnen das neueste Rezept auftischt, wie man in drei
Schritten zu einem besseres Leben kommt? Soll diese Erfahrung
wirklich ihr Leben für immer verändern?
Eine Missionarsfamilie, die in einer der gefährlichsten Gegenden
der Welt organische Gemeinden gründet, machte ein
mal Heimaturlaub in den USA. An ihrem ersten Sonntag besuchten
sie eine große Baptistengemeinde, von der sie unterstützt
werden. Da der Missionar an diesem Tag im Gottesdienst
sprechen sollte, kamen sie schon früh in ihren besten Kleidern
an. Seine Frau saß mit den beiden Kindern in der ersten Reihe.
Sie sahen beim Soundcheck und Stimmen der Instrumente zu.
Das älteste Kind fragte: „Mama, wird es gleich eine Show geben?“
Die Kinder hatten Gemeinde bisher nur als familiäre Atmosphäre
in Privathäusern und Wohnungen erlebt. Diese Art
von Gemeinde erschien ihnen absolut fremd. Ich bin davon
überzeugt, dass die meisten von uns mit unserer Art, Gemeinde
zu leben, viel zu sehr vertraut sind, als dass wir noch erkennen
könnten, wie seltsam unsere Bräuche eigentlich sind.
Es erstaunt mich, wie viel Energie und Ressourcen (Zeit, Geld,
Menschen) für eine einzige Stunde in der Woche verbraucht
werden. Wir haben Kirche in eine religiöse, sonntägliche Show
verwandelt. Nach der Show gehen wir dann alle wieder nach
Hause, bis die Kirche eine Woche später zur selben Zeit und am
selben Ort neu beginnt. Ist das wirklich die Braut Jesu?
Laut Missionsbefehl ist es unsere Aufgabe, „in alle Welt zu
gehen“, aber wir haben das Ganze umgedreht: „Kommt her
und hört unsere Botschaft!“
Wir erwarten, dass die Leute in die Kirche kommen, um zu
Jesus zu kommen, aber die Menschen in der Welt wollen mit
der Kirche nichts zu tun haben. Wir sind von unserem religiösen
Club so eingenommen, dass wir denken, diejenigen, die nicht in
die Kirche gehen, seien diejenigen, die keine Beziehung zu Jesus
haben. Als würde es ausreichen, dass jemand sonntags eine
Stunde im Gebäude sitzt, um zu sagen, er sei Christ. Aber unsere
Errettung hängt nicht davon ab, was wir sonntags tun und
ob unser Name im Mitgliederverzeichnis auftaucht. Natürlich ist
uns das lehrmäßig klar, aber trotzdem teilen wir die Bevölkerung
in Kirchgänger und Nicht-Kirchgänger ein, als würde alles
davon abhängen, dass sie Teil unserer Organisation sind. Kein
Wunder ist unsere Botschaft so verworren. Wir haben unseren
Hauptauftrag vergessen und denken, die Menschen müssten so
wie wir werden statt wie Jesus.
Anstatt Menschen in die Kirche zu bringen, damit wir sie
dann zu Jesus bringen, sollten wir doch besser Jesus zu den
Menschen bringen, dorthin, wo sie sich aufhalten und leben.
Dann erleben wir möglicherweise, dass daraus eine neue Art
von Kirche entsteht, eine Kirche, die ihre Mitte mehr im Leben
und am Arbeitsplatz hat, wo die Botschaft wirklich einen Unterschied
machen sollte. Was wird geschehen, wenn wir den Samen
des Reiches Gottes dort aussäen, wo sich das Leben abspielt
und wo die Gesellschaft geformt wird. Ist es nicht genau
das, was Jesus für seine Kirche beabsichtigt hat?
Wie wäre es, wenn Gemeinden auf organische Weise entstünden,
wie kleine geistliche Familien, aus dem Boden der
Verlorenheit geboren, weil hier der Same Gottes ausgesät wurde?
Diese Gemeinden könnten sich reproduzieren, wie es alle
lebendigen und organischen Dinge tun.
Wir haben erlebt, dass sich solche Gemeinden in Restaurants,
Büros, in Privathäusern und -wohnungen, an Hochschulen, Schulen
oder Stränden trafen. Andere hatten ihre Treffen in Bars,
Kaffeehäusern, Parks oder Schließfachräumen. Eines unserer
Gemeinde-Netzwerke hat sich zum Ziel gesetzt, dass es in Las
Vegas für jeden Einwohner eine Gemeinde gibt, die er zu Fuß
erreichen kann.“ Ein anderes proklamiert: „Jeder Christ ist ein
Gemeindegründer, jedes Haus und jede Wohnung ist eine Gemeinde,
und jedes Gemeindegebäude ist ein Trainingscenter.“
Das ist eine völlig neue Art, die Gemeinde Jesu zu sehen, und
genau das passiert heute überall in der westlichen Welt. Ich
glaube, dass dies eine ansteckende Bewegung ist, die mit den
vielen Menschen in Kontakt kommt, die sich von der herkömmlichen
Kirche gelöst haben, aber auf der Suche nach Jesus sind.
Wir müssen Jesus in das Leben der Menschen bringen, und dies
muss im Rahmen von Beziehungen geschehen.
In der Zeitschrift eines bestimmten Gemeindeverbands fand
ich einmal einen Artikel, in dem die Evangelisationsmethode
einer örtlichen Gemeinde herausgestellt wurde. Zur Weihnachtszeit
hatten sie ihren Chor in ein großes Einkaufszentrum
geschickt, um dort durch Weihnachtslieder die Botschaft Jesu
zu verkünden. Dies wurde als erfolgreiche Aktion dargestellt,
obwohl sie niemand angesprochen, zu keinem eine Beziehung
hergestellt hatten. Keiner der Besucher des Einkaufszentrums
konnte diesen kirchlich-religiösen Menschen in den fremdartigen
Roben eine Frage stellen. Sie hörten lediglich Lieder, mit
denen sie ohnehin schon über die Lautsprecher berieselt wurden.
Wie eine Flugbegleiterin vor jedem Abflug verkündete
auch der Chor lebenswichtige Informationen, die aber von
kaum jemand beachtet wurden. Und trotzdem waren die Mitglieder
dieser Gemeinde davon überzeugt, dass sie eine großartige
Arbeit für Gott geleistet hatten. Mann, wir haben wirklich
ein Problem!
Wenn wir diese Welt für Jesus gewinnen wollen, müssen wir
uns wohl oder übel in die Raucherecken setzen, denn dort finden
wir die verlorenen Menschen. Aber wenn wir verlangen,
dass sie ihre Zigarette ausmachen, um die Botschaft zu hören,
werden sie nur an eines denken, nämlich: „Wann kann ich wieder
eine rauchen?“
Der Kern unserer Botschaft ist doch, dass Gott von uns nicht
erwartet, dass wir zu ihm in den Himmel kommen. Er kam zu
uns. Er lebte sein Leben zu unseren Bedingungen und auf unserem
Terrain. Er inkarnierte sich. Dies ist ein theologischer Begriff
und bedeutet so viel wie, dass er „im Fleisch“ oder in „in
einem menschlichen Körper“ war. Wenn ich mir Chili „con carne“
bestelle, bestelle ich Chili mit Fleisch, mit Substanz. Jesus
war der inkarnierte Gott. Er war die Wahrheit im menschlichen
Körper, sodass jeder sie sehen konnte. Er „… wurde Fleisch …
und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit
als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“
(Joh 1,14).
Die Lieder des Chores hatten genau dies zum Inhalt, aber die
Menschenmassen gingen einfach daran vorbei, ohne auch nur
darüber nachzudenken. Als Jesus kam, trug er weder eine bunte
Robe, noch blieb er distanziert, noch sang er den Leuten Lieder
vor. Er kam genau wie wir nackt durch den Geburtskanal. Jemand
musste seine Windel wechseln, und für eine gewisse Zeit
konnte er sich wie alle anderen Menschen seit Adam und Eva
nur durch Schreien verständigen. Er war arm und lebte unter
uns. Er machte seine Hände schmutzig und diente den Menschen.
Schließlich, nach seinem Leben, seinem Tod und seiner
Auferstehung kam er irgendwann im 20. Jahrhundert auch zu
mir. Wir müssen ihn auch heute zu den verlorenen Menschen
kommen lassen.
Jesus ist immer noch inkarniert: Jetzt sind wir seine Füße, seine
Hände, seine Augen und sein Mund. Wir sind der Leib Christi.
Wir sind sein Tempel, und der Heilige Geist wohnt in unserem
Fleisch (vgl. 1 Kor 6,19). Wir sind nicht die
Gottheit, aber die Gottheit wohnt in uns,
und ich finde, dass diese Wahrheit eine Realität
ist, die unser Leben so dramatisch verändert,
dass andere dies bemerken sollten.
Sir Walter Moberly schrieb 1949 das Buch
The Crisis in the University (Die Krise in der
Universität). Er hatte festgestellt, dass Evangelikale
es nicht schafften, die Hochschulen
mit dem Evangelium zu durchdringen. Für
alle, die vorgeben, Jesus nachzufolgen, haben
seine Worte von damals auch heute
noch Biss: „Wenn auch nur ein Zehntel von
dem, was ihr glaubt, wahr ist, dann solltet
ihr zehnmal begeisterter sein.“2 Das sind die
Worte eines Nichtchristen, der unsere Predigten gehört und
unser Verhalten studiert hatte. Es tut weh, weil es wahr ist. Wir
müssen anfangen, das Wort Jesu und den Geist Gottes so reichlich
in uns wohnen zu lassen, dass seine göttliche Gegenwart
spürbar ist. Das ist es, wofür Jesus gestorben ist.
Der Theologe Lesslie Newbigin sagt ganz richtig: „Die Kirche
ist in die Welt gesandt, um das fortzuführen, wofür Jesus gekommen
ist, und zwar in der Kraft desselben Heiligen Geistes
Menschen mit Gott zu versöhnen“3 (vgl. Joh 20,19-23).
Dieses Buch ist ein Aufruf, zu unseren Wurzeln zurückzukehren.
Die Gemeinde soll lebendig, organisch und im Fleisch sein.
Sie soll dort hervorkommen, wo sie am meisten gebraucht wird.
Die Kirche soll fruchtbar sein, sich multiplizieren und die Erde
füllen, wie es Jesus beabsichtigte, als er dafür bezahlte.

1 McNeil, R., The Present Future Church, Jossey-Bass, San Francisco 2003, S. 4.
2 Moberly, Sir W., The Crisis in the University, SCM Press, London 1953.
3 Newbigin, L., The Gospel in an Pluralistic Society, Eerdmans, Grand Rapids,

Im Film „Apollo 13“ kam ein engagiertes Team hingegebener
Leute bei der NASA zusammen, um ein schwieriges Problem zu
lösen. Unter Ausnutzung einfacher Komponenten, die schon an
Bord der Raumkapsel waren, fanden sie eine kreative Lösung,
um die Astronauten zurück zur Erde zu bringen. Was sich
schnell zum größten bisher dagewesenen Problem der NASA
entwickelt hatte, wurde stattdessen ihr heldenhaftester Moment.
Was wäre passiert, wenn die beteiligten Leute geleugnet
hätten, dass es ein Problem gab? Wenn wir das Problem nicht
erkennen, fehlt die kreative Energie, um Lösungen zu finden.
Der Anfang einer jeder großen Errungenschaft ist, dass ein
Problem erkannt wird. Zusammen mit einem klaren Ziel und
kreativer Energie kann durch diese Erkenntnis viel erreicht werden.
Gott hat uns bereits alles gegeben, was wir brauchen. Wir
müssen nur die einfachen Dinge in einem neuen Licht betrachten.
Es gibt Lösungen, die auf der Hand liegen, wenn wir nur
unsere Augen und Ohren für das öffnen, was der Heilige Geist
den Gemeinden mitteilen will. Gott schweigt nicht; er hat sich
nicht zurückgezogen, sondern er ist aktiv beteiligt und motiviert.
„Bittet und ihr werdet empfangen“ (vgl. Mt 7,7).
Beim Lesen dieses Buches werden Sie vielleicht überrascht
sein, wie einfach und naheliegend die Lösungen sind. Das Buch
ist praktisch gehalten; es geht aber nicht um ein bestimmtes
Gemeindemodell, sondern darum, wie die Wahrheit, die wir in
der Bibel finden, heute Fleisch werden kann. Wenn Sie tiefgehende,
komplexe und methodisch ausgeklügelte Antworten
suchen nach dem Schema „Wie mache ich …?“, werden Sie
enttäuscht werden. Die Antworten finden wir nicht in unseren
Modellen, Methoden und menschlichen Systemen, sondern in
der Wahrheit des Wortes Gottes und indem wir vom Heiligen
Geist erfüllt und geführt werden. Ich hoffe, dass dieses Buch Sie
wachrüttelt, sodass Sie die alte, vertraute Stimme wieder hören
– die leise, säuselnde Stimme des Geistes –, die uns aufruft, neu
und wieder mit ihm zu gehen. Alles, was komplizierter ist, ist
nur zum Scheitern verurteilt.
Himmel, wir haben ein Problem. Zeige uns die Lösung und
öffne unsere Herzen, damit wir sie empfangen können.

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