Anhang: Weshalb ich nicht mehr „in die Kirche gehe“
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© GloryWorld-Medien 2007
Von Wayne Jacobsen
Dieser Artikel erschien zuerst im Mai 2001 im „Bodylife-Magazin“ (vgl.
www.lifestream.org) und wurde danach in der ganzen Welt herumgereicht.
Er soll all jenen eine Perspektive vermitteln und eine Argumentationshilfe
sein, die anderen dabei helfen wollen, besser zu verstehen, wie man das
Leben im Leib Christi beziehungsorientierter gestalten kann, als es das
traditionelle Gemeindeleben oft erlaubt.
Liebe Mitchristen,
ich habe Verständnis für Ihre Bedenken mir gegenüber und weiß Ihre Bereitschaft, mir Fragen zu stellen, die Ihnen Sorgen bereiten, zu schätzen. Ich bin mir dessen bewusst, dass die Art und Weise, wie ich die Gemeinde sehe, ein wenig unkonventionell ist; manche nennen es sogar gefährlich.
Glauben Sie mir, ich verstehe diese Bedenken, da ich früher selbst so gedacht und sogar andere entsprechend gelehrt habe.
Wenn Sie mit dem Zustand der organisierten Religion von heute zufrieden
sind, gefällt es Ihnen vielleicht nicht, was Sie hier lesen. Mein Ziel ist
nicht, Sie zu überzeugen, diese unglaubliche Kirche/Gemeinde genauso zu
sehen, wie ich es tue, sondern so offen und ehrlich, wie ich kann, Ihre
Fragen zu beantworten. Selbst wenn wir am Ende nicht einer Meinung
sind, hoffe ich, dass Sie verstehen, dass unsere unterschiedlichen Ansichten
uns als Glieder des Leibes Christi nicht entfremden müssen.
In welche Kirche gehen Sie?
Diese Frage habe ich noch nie gemocht, selbst als ich eine bestimmte Organisation
darauf als Antwort geben konnte. Ich weiß, was dies kulturell
bedeutet, aber es beruht auf einer falschen Prämisse, nämlich, dass Kirche
etwas ist, zu dem man hingehen kann, wie zu einem bestimmten Ereignis,
einem Ort oder einer organisierten Gruppe. Ich glaube, dass Jesus die
Gemeinde ganz anders sieht. Er sprach von ihr nicht als einem Ort, zu dem
man hingehen kann, sondern er beschrieb sie als Lebensform, wie man in der
Beziehung zu ihm und zu anderen seiner Nachfolger leben kann.Wenn Sie mich
fragen, in welche Kirche ich gehe, ist das, als würden Sie
mich fragen, in welchen Jacobsen ich gehe. Wie soll ich das beantworten?
Ich bin ein Jacobsen, und wo ich hingehe, da ist auch ein Jacobsen. Gemeinde
oder Kirche ist ebenfalls ein solches Wort. Mit diesem Wort wird
nicht ein Ort oder eine Institution beschrieben, sondern ein Volk und die Art
und Weise, wie die Angehörigen dieses Volkes miteinander in Beziehung
stehen. Wenn wir das aus dem Blick verlieren, wird unsere Vorstellung von
der Kirche verdreht, und es entgeht uns ein großer Teil der Freude, die sie
beinhaltet.
Versuchen Sie nicht nur, diese Frage zu umgehen?
Ich weiß, es klingt vielleicht haarspalterisch, aber Worte sind wichtig. Wenn
wir den Begriff „Kirche“ nur mit gewissen Versammlungen am Wochenende
in Verbindung bringen oder mit bestimmten Institutionen, die sich als
„Kirchen“ organisiert haben, verpassen wir, was es bedeutet, als Leib
Christi zu leben. Wenn wir denken, wir würden in Gottes Kirche teilnehmen,
weil wir einmal pro Woche ein Treffen besuchen, kann uns das eine
falsche Vorstellung von Sicherheit geben. Umgekehrt höre ich Leute sagen,
sie würden „die Kirche verlassen“, wenn sie eine bestimmte Kirche bzw.
Gemeinde nicht mehr besuchen.
Falls die Kirche aber etwas ist, das wir sind, und kein Ort, zu dem wir
hingehen, wie können wir sie dann verlassen, ohne dass wir Christus selbst
verlassen? Und wenn ich nur eine bestimmte Gemeinde als meinen Teil der
Kirche sehe, trenne ich mich dann nicht von unzähligen anderen Brüdern
und Schwestern, die nicht die gleiche Kirche besuchen wie ich?
Die Vorstellung, dass diejenigen, die sich sonntagmorgens versammeln,
um einem Lobpreiskonzert zuzusehen und einer Lehre zuzuhören, Teil der
Kirche sind, während diejenigen, die das nicht tun, es nicht sind, wäre für
Jesus fremd. Es geht nicht darum, wo wir uns während des Wochenendes
zu einem bestimmten Zeitpunkt aufhalten, sondern wie wir während der
ganzen Woche in ihm und mit anderen Gläubigen leben.
Brauchen wir aber nicht regelmäßige Gemeinschaft?
Ich würde nicht sagen, dass wir es brauchen. Wären wir an einem Ort, an
dem wir keine anderen Gläubigen finden könnten, würde Jesus sicherlich in
der Lage sein, sich um uns zu kümmern. Deshalb drücke ich es etwas anders aus:
Werden Leute, die darin wachsen, den lebendigen Gott zu kennen,auch den
Wunsch nach echten und wertvollen Beziehungen zu anderen
Gläubigen haben? Ganz bestimmt! Der Ruf ins Reich Gottes ist kein Ruf
in die Isolation. Aus meiner Erfahrung haben alle, die im Leben Jesu Fortschritte
machen, den Wunsch nach authentischer Gemeinschaft mit anderen
Gläubigen. Sie erkennen, dass das, was sie über Gottes Leben wissen,
begrenzt ist, und dass die größtmögliche Offenbarung von ihm nur in der
Kirche zu finden ist.
Manchmal ist diese Art von Gemeinschaft allerdings nicht leicht zu finden.
Ab und zu gehen wir auf unserem Weg durch Zeiten, in denen wir
scheinbar keine anderen Gläubigen finden können, die unsere Sehnsüchte
teilen. Das gilt insbesondere für jene, die feststellen müssen, dass ihre
Beziehung zu Jesus verkümmert, wenn sie sich an die Erwartungen der
religiösen Institutionen in ihrem Umfeld anpassen. Vielleicht wurden sie
auch von Gläubigen ausgeschlossen, mit denen sie einmal eine enge
Freundschaft gepflegt hatten. Aber keiner, der durch eine solche Zeit geht,
sieht das als Zuckerschlecken an. Es ist unglaublich schmerzhaft, und jeder
wird nach anderen hungrigen Gläubigen suchen, mit denen er seinen Weg
gemeinsam gehen kann.
Am besten finde ich es, wenn sich gemeindliches Leben so äußert, dass
sich eine örtliche Gruppe von Leuten entscheidet, einen Teil ihres Weges
gemeinsam zu gehen, indem sie untereinander enge Freundschaften pflegen
und lernen, gemeinsam auf Gott zu hören.
Sollten wir nicht verbindlich einer örtlichen Gemeinschaft angehören?
Diese Aussage kann man heute oft hören, weshalb die meisten davon
ausgehen, dies sei irgendwo in der Bibel zu finden. Ich habe es aber bisher
noch nirgends gefunden. Vielen von uns hat man beigebracht, wir könnten
ohne eine „geistliche Abdeckung durch den Leib“ unmöglich überleben und
würden entweder Irrlehren verfallen oder wieder in ein sündiges Leben
zurückkehren. Aber finden wir dasselbe nicht auch innerhalb unserer örtlichen
Gemeinden?
Ich kenne viele Leute, die außerhalb solcher Strukturen leben und deren
Beziehung zu Gott sich immer mehr vertieft und die auch Beziehungen zu
anderen Gläubigen erleben, die weit tiefer gehen als das, was sie in der
Institution gefunden haben. Ich habe nichts von meiner Leidenschaft für
Jesus oder von meiner Zuneigung für seine Gemeinde verloren. Im Gegenteil,
diese sind in den letzten Jahren sprunghaft gewachsen.Die Bibel fordert uns auf,
dass wir uns einander hingeben, nicht, dass wir uns einer Institution verpflichten.
Jesus deutete darauf hin, dass immer dann, wenn zwei oder drei Leute mit
ihm in ihrer Mitte zusammenkommen,
sie die Lebendigkeit kirchlichen Lebens erfahren würden.
Ist es hilfreich, regelmäßig an einer lokalen Ausprägung dieser Realität
teilzunehmen? Natürlich. Wir machen aber einen großen Fehler, wenn wir
davon ausgehen, dass Gemeinschaft stattfindet, nur weil wir miteinander –
selbst regelmäßig – dieselbe Veranstaltung besuchen oder weil wir zur
gleichen Organisation gehören. Gemeinschaft geschieht dann, wenn sich
Leute gemeinsam auf den Weg machen, Jesus kennenzulernen. Dazu gehört,
dass man einen offenen, ehrlichen Austausch pflegt, ein echtes Interesse
am geistlichen Wohlergehen der anderen zeigt und sich gegenseitig
ermutigt, Jesus zu folgen, wie auch immer er die Einzelnen führt.
Bewahren uns aber unsere Institutionen nicht vor Irrlehren?
Leider muss ich Ihre Vorstellung hier korrigieren, denn jede große Irrlehre,
die in den letzten 2000 Jahren Gottes Volk aufgedrängt wurde, kam von
organisierten Gruppen mit „Leitern“, die dachten, sie würden Gottes Gedanken
besser kennen als alle anderen. Und umgekehrt wurde beinahe
jede Bewegung Gottes unter denen, die nach ihm hungerten, von der „Kirche“
ihrer Zeit abgelehnt. Sie wurden ausgeschlossen, exkommuniziert
oder hingerichtet, weil sie Gott folgten.
Die Hoffnung, in einer Institution Sicherheit zu finden, ist leider völlig
fehl am Platz. Jesus sagte nicht, „in die Kirche gehen“ würde uns schützen,
sondern das Vertrauen auf ihn würde dies bewirken. Er hat uns mit seinem
Geist gesalbt, damit wir den Unterschied zwischen Wahrheit und Irrtum
erkennen können. Diese Salbung pflegen wir, wenn wir in seinem Wort
seine Wege kennenlernen und näher an sein Herz wachsen. Das wird Ihnen
helfen, zu erkennen, wenn die christlichen Gruppen/Gemeinden, in denen
Sie aktiv sind, seinem Wirken in Ihnen entgegenwirken.
Sind traditionelle Gemeinden also falsch?
Auf keinen Fall! Ich habe in vielen von ihnen Leute gefunden, die Gott
lieben und danach trachten, in seinen Wegen zu wachsen. Ich besuche
jedes Jahr mehrere Dutzend verschiedene Gemeinden, denen Beziehungen
weit wichtiger sind als Religion. Jesus ist im Zentrum ihres gemeinsamen
Lebens, und diejenigen, die als Leiter fungieren, sind echte Diener und
machen keine politischen Schachzüge. Dadurch werden alle ermutigt, einander
zu dienen.
Ich bete, dass noch mehr von ihnen erneuert werden zu einer Leidenschaft
für Jesus, zu einem echten Interesse aneinander und zu einer Bereitschaft,
der Welt mit Gottes Liebe zu dienen. Aber ich glaube, wir müssen
auch zugeben, dass solche Gemeinden in unseren Städten rar sind und dass
viele von ihnen nur kurze Zeit bestehen, bevor sie unwissentlich institutionelle
Antworten auf die Bedürfnisse des Leibes Christi suchen, anstatt
abhängig von Jesus zu bleiben. Wenn dies geschieht, dann sollten Sie sich
nicht verdammt fühlen, wenn Gott Sie führt, nicht mehr mit ihnen mitzugehen.
Sollte ich ebenfalls nicht mehr in die Kirche gehen?
Leider geht auch diese Frage am Ziel vorbei. Verstehen Sie, ich glaube
nicht, dass Sie mehr in die Kirche gehen, als ich es tue. Wir alle sind doch
einfach ein Teil davon, und jeder von uns sollte an dem Ort, an den Jesus
ihn ruft, das tun, wozu er ihn beruft. Nicht alle von uns wachsen im gleichen
Umfeld.
Wenn Sie sich mit einer Gruppe von Gläubigen zu einer bestimmten Zeit
und an einem bestimmten Ort treffen und diese Teilnahme Ihnen hilft,
Jesus näher zu kommen, und auch ermöglicht, dass Sie dem folgen, was er
in Ihnen tut, dann sollten Sie unter gar keinen Umständen denken, Sie
müssten gehen. Vergessen Sie aber nicht, dass dies nicht die Kirche an sich
ist. Es ist nur eine von vielen Ausprägungen der Kirche an dem Ort, an dem
Sie leben.
Lassen Sie sich auch nicht dahingehend täuschen, dass Sie denken, nur
weil Sie die Treffen besuchen, würden Sie echtes Gemeindeleben erleben.
Das geschieht nur dann, wenn Gott Sie mit einer Handvoll Brüder und
Schwestern verbindet, mit denen Sie enge Beziehungen aufbauen und das
echte Auf und Ab auf diesem Weg miteinander teilen können.
Das kann in traditionellen Gemeinden geschehen, aber auch außerhalb.
In den letzten Jahren habe ich unzählige Leute getroffen, die hinsichtlich
traditioneller Gemeinden desillusioniert wurden und geistlich aufleben,
wenn sie Gottes Leben – meist in ihren Häusern – mit anderen teilen.
Dann ist die Lösung also, sich in Häusern zu treffen?
Natürlich nicht. Aber wir müssen auch eine Sache klarstellen: Soviel Spaß
es auch macht, in großen Gruppen Gott anzubeten und von begabten Lehrern
unterwiesen zu werden – die wahre Freude des gemeindlichen Lebens
kann man nicht in großen Gruppen miteinander teilen. In den ersten 300
Jahren sah die Kirche das Haus als den perfekten Ort an, sich zu versammeln.
Häuser sind viel mehr für das dynamische Leben einer Familie geeignet
– auf diese Weise hat Jesus ja schließlich seinen Leib beschrieben.
Treffen in Häusern sind freilich kein Allheilmittel. Ich habe einige
schreckliche solcher Treffen erlebt, und ich habe Gruppen in Gebäuden
getroffen, die ein authentisches Gemeindeleben miteinander führten. Die
Zeit, die ich regelmäßig im Leib Christi verbringe, möchte ich allerdings
möglichst von Angesicht zu Angesicht mit einer Gruppe von Leuten
verbringen. Ich weiß, dass das heutzutage nicht beliebt ist, wo Leute es
einfacher finden, einen gut geplanten (oder nicht so gut geplanten) Gottesdienst
abzusitzen, und dann wieder nach Hause gehen, ohne dass sie ihr
Leben öffnen oder sich um andere Menschen kümmern.
Aber letztlich ist das, was für mich am meisten zählt, nicht, wo oder wie
sie sich treffen, sondern ob Leute auf Jesus ausgerichtet sind und einander
auf ihrem Weg, wie er zu werden, wirklich helfen, oder nicht. Dabei kommt
es viel weniger auf Treffen und Veranstaltungen an als auf die Qualität der
Beziehungen. Nach solchen Leuten suche ich, und ich freue mich immer,
wenn ich welche finde. In unserem neuen Zuhause in Moorpark haben wir
zum Beispiel ein paar solcher Leute gefunden und hoffen, dass wir noch ein
paar mehr finden werden.
Reagieren Sie nicht nur so, weil Sie verletzt worden sind?
Das könnte möglich sein, und die Zeit wird das wohl zeigen, aber, ehrlich
gesagt, glaube ich, dass es nicht so ist. Jeder, der in einem echten Gemeindeleben
aktiv ist, wird manchmal verletzt. Es gibt aber zwei Arten von
Verletzungen. Es gibt Schmerzen, die auf ein Problem hindeuten, das mit
der richtigen Behandlung gelöst werden kann – wie zum Beispiel ein stark
verstauchter Fußknöchel. Und dann gibt es Schmerzen, die nur dadurch
geheilt werden können, dass man sich von etwas entfernt, wie zum Beispiel,
wenn man eine heiße Herdplatte berührt.
Wahrscheinlich haben wir alle gewisse schmerzliche Erfahrungen gemacht,
in dem Versuch, Gottes Leben einer Institution anzupassen. Die
meisten von uns blieben lange Zeit dabei, in der Hoffnung, es würde besser
werden, wenn man ein paar Dinge verändern würde. Oft haben wir in
Aufbruchszeiten einen begrenzten Erfolg erlebt, mussten dann aber erkennen,
dass die Konformität, die eine Institution fordert, und die Freiheit, die
die Leute brauchen, um in Christus wachsen zu können, letztlich miteinander
auf Kriegsfuß stehen. Dies trifft auf fast jede Gruppe zu, die in der
Geschichte der Christenheit geformt wurde.
Sind Sie auf der Suche nach der vollkommenen Kirche?
Nein, und ich erwarte auch nicht, eine solche auf dieser Seite der Ewigkeit
zu finden. Vollkommenheit ist nicht mein Ziel, sondern Leute zu finden, die
Gottes Prioritäten haben. Es ist eine Sache, dass Leute gemeinsam ein Ideal
anstreben, für das sie kämpfen. Und es ist eine andere, zu erkennen, dass
unsere Ideale wenig gemein haben.
Ich mache kein Geheimnis aus der Tatsache, dass ich mir um den Zustand
der organisierten Christenheit tiefe Sorge mache. Das meiste von
dem, was wir heute Kirche nennen, besteht aus nicht viel mehr als gut
organisierten Veranstaltungen, bei denen die Gläubigen kaum miteinander
in Kontakt kommen. Die Gläubigen werden darin bestärkt, sich mehr und
mehr auf das System oder seine Leiter zu verlassen, als auf Jesus selbst. Wir
wenden mehr Energie dafür auf, unser Verhalten dem anzupassen, was die
Institution braucht, als Leuten zu helfen, am Fuß des Kreuzes verwandelt zu
werden!
Ich bin es überdrüssig, mit Leuten Gemeinschaft zu haben, die Kirche
nur als eine Sache von zwei Stunden pro Woche sehen, wo man seine
Schuld los wird, während sie den Rest der Woche mit den gleichen Prioritäten
wie die Welt leben. Ich habe genug von jenen, die sich auf ihre eigenen
Werke der Gerechtigkeit verlassen, aber kein Mitgefühl für die Menschen in
der Welt haben. Ich habe auch genug davon, dass unsichere Leute den Leib
Christi als ihren verlängerten Arm benutzen und ihn manipulieren, um ihre
eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Ich habe genug von Predigten, in denen
es mehr um sklavische Religionserfüllung als um die Freiheit von Gottes
Liebe geht, und von Orten, an denen Beziehungen gegenüber den Ansprüchen
einer effizienten Institution in den Hintergrund treten.
Brauchen unsere Kinder aber nicht kirchliche Aktivitäten?
Das, was sie meiner Meinung nach am meisten brauchen, ist, dass sie
durch beziehungsorientierte Gemeinschaft mit anderen Gläubigen in Gottes
Leben integriert sind. 92% der Kinder, die in Sonntagsschulen aufwachsen,
mit all den anspruchsvollen, unterhaltsamen Programmen, verlassen die
„Kirche“, wenn sie ihr Elternhaus verlassen. Anstatt unsere Kinder mit
Ethik und Vorschriften vollzustopfen, müssen wir ihnen praktisch demonstrieren,
wie man miteinander in Gottes Leben lebt.
Selbst Soziologen sagen uns, der wichtigste Faktor, um festzustellen, ob
ein Kind in der Gesellschaft einmal gut zurechtkommt, sei der, dass es tiefe
persönliche Freundschaften mit Erwachsenen hat, mit denen es nicht verwandt
ist. Keine Sonntagsschule kann diese Rolle ausfüllen. In Australien
kenne ich eine Gemeinschaft von Christen, die nach zwanzig Jahren, in
denen sie Gottes Leben als Familie miteinander geteilt haben, sagen konnten,
dass kein einziges ihrer Kinder dem Glauben verloren ging, als sie
erwachsen wurden. Ich weiß, dass ich hier anecken werde, aber es ist viel
wichtiger, dass unsere Kinder echte Gemeinschaft unter Gläubigen erleben
als die tollen Gags eines perfekten Kinderprogramms.
Wie sollte Ihrer Meinung nach echtes gemeindliches Leben aussehen?
Ich halte immer nach Leuten Ausschau, die dem lebendigen Christus nachfolgen
wollen. Er ist im Zentrum ihres Lebens, ihrer Zuneigung und ihrer
Gespräche. Sie wirken authentisch und befreien andere dazu, zu ihren
Verletzungen und Fragen zu stehen und seiner Stimme möglichst so zu
folgen, dass andere sie nicht beschuldigen können, sie seien spalterisch
oder rebellisch. Ich suche nach Leuten, die ihr Geld nicht für extravagante
Gebäude oder coole Programme verschwenden, und nach solchen Gruppen,
bei denen die Leute, die nebeneinander sitzen, sich nicht fremd sind,
und alle als ein Priestertum für Gott aktiv beteiligt sind, anstatt passiv aus
sicherer Distanz zuzusehen.
Bieten Sie den Leuten nicht nur eine Ausrede, um zu Hause zu sitzen und nichts zu tun?
Ich hoffe nicht, obwohl mir bewusst ist, dass dies eine Gefahr ist. Ich sehe,
dass es Leute gibt, die traditionelle Gemeinden verlassen und am Ende
diese Freiheit missbrauchen, indem sie ihre eigenen Wünsche befriedigen
und so das gemeindliche Leben insgesamt verpassen. Ich bin auch kein
Freund von Leuten, die von einer Gemeinde zur nächsten wandern, immer
auf der Suche nach dem neuesten Schrei und den besten Möglichkeiten,
sich ihre eigenen egoistischen Wünsche zu erfüllen.
Die meisten Leute, die ich treffe und mit denen ich rede, sind jedoch
nicht deshalb außerhalb des Systems, weil sie ihre Leidenschaft für Jesus
oder für sein Volk verloren hätten, sondern weil die traditionellen Gemeinden
in ihrem Umfeld ihren Hunger nach Beziehungen nicht stillen konnten.
Sie suchen nach authentischen Formen des Gemeindelebens und zahlen oft
einen unglaublichen Preis, es zu finden. Glauben Sie mir, wir alle würden es
viel leichter finden, einfach nur mit der Masse zu schwimmen, doch wenn
man einmal lebendige Gemeinschaft unter leidenschaftlichen Gläubigen
erlebt hat, ist es unmöglich, mit weniger zufrieden zu sein.
Ist diese Sicht der Kirche nicht spalterisch?
Nicht an sich. Die Leute machen es spalterisch, wenn sie fordern, dass
andere sich dem anpassen, was sie an Wahrheit erkannt haben. Die meisten
von uns, die auf dem Weg sind, werden angeklagt, spalterisch zu sein,
weil für diejenigen, die ihre Sicherheit in einem religiösen System finden,
Freiheit bedrohlich sein kann. Aber die meisten von uns versuchen nicht,
andere zu motivieren, ihre Gemeinden zu verlassen. Wir betrachten den
Leib Christi als groß genug, dass er alle Leute Gottes umfassen kann, wie
auch immer er sie zusammenruft.
Eines, was man traditionellen Gemeinden oft nachsagt, ist, dass der
Sonntagmorgen in der (amerikanischen) Kultur die Zeit mit der größten
Trennung ist. Wir treffen uns nur mit Leuten, die so aussehen, wie wir
aussehen, und die das mögen, was auch wir mögen. Ich erlebe heute, dass
ich viel mehr Gelegenheit habe, mit Leuten aus einem breiteren Spektrum
seines Leibes zusammenzukommen. Ich verlange nicht, dass andere das
genauso tun, und hoffe, dass jene, die es anders sehen, mit der Zeit die
Forderung einstellen, wir müssten uns ihrer Sicht anpassen.
Wo kann ich diese Art von Gemeinschaft finden?
Dafür gibt es keine einfache Antwort. Vielleicht finden Sie sie ja gerade in
der Gemeinschaft, in der Sie bereits sind. Vielleicht finden Sie sie um die
Ecke in Ihrem Stadtviertel oder ein Zimmer weiter an Ihrer Arbeitsstelle. Sie
können sich auch an sozialen Aktionen beteiligen, um die Bedürftigen und
Zerbrochenen an Ihrem Ort zu erreichen, als eine Möglichkeit, wie Sie sein
Leben in Ihnen ausleben und andere mit einem ähnlichen Hunger treffen
können.
Erwarten Sie nicht, dass diese Art von Gemeinschaft leicht in eine Organisation
passt. Sie ist organisch, und Jesus kann Sie gerade da, wo Sie sich
befinden, hineinführen. Vertrauen Sie ihm, dass er vielleicht ein Dutzend
Leute in Ihr Leben bringt, mit denen Sie Ihren Weg gemeinsam gehen können.
Vielleicht gehen diese noch nicht einmal zur gleichen Gemeinde wie
Sie. Vielleicht sind es Nachbarn oder Kollegen, die Gott folgen. Würde
durch eine solche Vernetzung unter Gottes Leuten nicht eine unglaubliche
Frucht entstehen?
Gehen Sie nicht davon aus, dass es leicht wird oder einfach funktioniert.
Es bedarf gewisser Entscheidungen unsererseits, um Jesus gegenüber gehorsam
zu sein. Vielleicht braucht es ein bisschen Übung, alte Gewohnheiten
abzuschütteln und frei zu werden, damit er seine Gemeinschaft um Sie
herum baut, aber das alles ist es wert. Ich weiß, dass einige Leute Probleme
damit haben, dass ich sonntagmorgens nicht meinen Stammplatz auf einer
Bank einnehme, aber ich kann Ihnen mit Gewissheit sagen, dass meine
schlimmsten Tage außerhalb der organisierten Religion immer noch besser
sind, als meine besten Tage darin. Für mich ist der Unterschied ähnlich
dem, ob jemand über das Golfspiel redet oder tatsächlich auf einem Golfplatz
einen Satz Schläger nimmt und dort Golf spielt. Gottes Kirche zu sein
ist so ähnlich. Wir brauchen heutzutage nicht noch mehr Vorträge über die
Kirche, sondern Leute, die einfach ihre Realität ausleben wollen.
Auf der ganzen Welt entdecken Menschen neu, wie man das tut. Auch
Sie können einer davon sein, wenn Sie sich von Gott an den Platz in seinem
Leib stellen lassen, den er für Sie vorgesehen hat.
DER SCHREI DER WILDGÄNSE
© GloryWorld-Medien 2007
Ich bin sehr froh, so etwas zu hören, denn auch mein Herz hat Flammen für Jesus geschlagen und ich sehne mich dannach, echte Gemeinschaft zu erleben, statt steif eine “Pflicht” zu erfüllen. Ich möchte die Vollmacht der Gemeinde Jesu erleben. Möge der Herr uns bereit machen, wieder den richtigen, den schmalen Pfad zu betreten, und möge Er uns führen und bewahren! Eine Jüngerin Jesu
Von: Katja Senier am 20. Oktober 2011
um 19:20
Amen!
Von: gemeindedna am 26. Oktober 2011
um 07:39